Historie und Geschichte


Vergessende Oldenburger Marken - Sender Oldenburg-Etzhorn -  Funkmast Steinkimmen - Kreisreformen im Oldenburger Land - Das Ende des Landes Oldenburg - Wappen in Niedersachsen - Vergessene Städte die ihren Namen verloren


1. Vergessende Oldenburger Markennamen: Swoboda

Fr. Swoboda

Als Kind war für mich der Name "Swoboda" ein Begriff als Hersteller von Sauerkraut, Senf und Essig, heute ist diese Oldenburger Lebensmittelmarke fast völlig vergessen. Der Fabrikant Franz Swoboda gründete bereits vor den ersten Weltkrieg eine Senf und Essigfabrik an der Donnerschweer Straße 41.  Um 1922 firmierte die Firma unter den Namen Swoboda & Co und später unter Fr. Sowoda Senf- und Essigfabrik. Nach kurzer heftiger Krankheit verstarb er am 02.06.1960 im Alter von 77 Jahren, zu der Zeit hatte sich die Firma zu einer bekannten Essig-, Senf- und Sauerkrautfabrik entwickelt. Zeitweise war die Firma auch auf dem früheren Kasernengelände in Kreyenbrück angesiedelt, die Weinessig-, Spritessig- u. Senffabrik und Ölmühle war seinerzeit an der Cloppenburger Straße 326 zu finden. Da das Gelände später wieder für die Bundeswehr genutzt wurde, siedelte auch die Firma um. Um 1960 befand sich die Firma bereits wieder in Donnerschwee nun aber an der Donnerschweer Straße 171. Noch in den 1960er Jahren wurde die Firma von der Firma Rich. Hengstenberg übernommen, so dass im Laufe der Zeit auch der Markenname Swoboda aus den Regalen der Lebensmittelhändler verschwand. Inzwischen hat die Firma Hengstenberg ihr Werk in Oldenburg geschlossen.


2. Erinnerung an den Sender Oldenburg-Etzhorn


Aufgrund der 1948 durch den "Kopenhagener Wellenplan" verursachten schwierigen Empfangsverhältnisse wurden vom NWDR bis zur Fertigstellung eines flächendeckenden UKW-Netzes zunächst als Notlösung zahlreiche neue Mittelwellensender aufgebaut. So wurde 1950 für das Gebiet um Oldenburg in Etzhorn am Helmskamp ein  Mittelwellensender größerer Leistung in Betrieb genommen. Ende des Jahres ergänzte man die Station durch einen UKW-Sender für das 2. Programm Nord. Für die neue Anlage errichtete der NWDR eine zweigeschossige Senderhalle mit eingeschossigem Anbau, der auf der freien Giebelseite zwei Wohnungen enthielt. Davon abgesetzt stand ein eingeschossiger Bau mit der Transformatorenstation, dem Notstromaggregat und den Garagen.
Im März 1950 wurde die Sendestelle zunächst mit einem fahrbaren Mittelwellen-sender in Betrieb genommen werden, bis Ende 1950 der stationären Mast mit einen Mittelwellensender und einem UKW-Sender in Betrieb genommen werden konnte. Der abwechselnd rot und weiß geringelte Fernsehmast war 90 Meter hoch, daraufgesetzt war eine 14 Meter hohe UKW-Antenne. Für Notfälle stand eine Zweitausfertigung der Antenne zwischen der Sendehalle und dem Funkmast.
Das Studio Oldenburg des NWDR (01.04.1956: NDR) nahm am 01.05.1950 seinen Betrieb auf und siedelte sich in einem Gebäudeteil des Ziegelhofes an der Jägerstraße an. Die Stichstraße heißt heute Adolf-Grimme-Straße. Anfangs gab es eine gewisse Konkurrenz zu Radio Bremen, der von den hiesigen Verbänden als der eigentliche Heimatsender der Region angesehen wurde.
Am 24.12.1954 begann der NWDR mit der Ausstrahlung eines neuen 3. Hörfunkprogrammes auch über den Sender Oldenburg-Etzhorn. Als 1956 der Sender Steinkimmen in Betrieb ging, der nicht nur für eine Verbesserung der Rundfunkversorgung sondern auch für einen besseren Fernsehempfang sorgte, übernahm dieser die UKW Übertragung vom Sender Oldenburg-Etzhorn, der seitdem nur noch ein Mittelwellen-Programm ausstrahlte. Vom Sender Oldenburg-Etzhorn wurde übrigens von 1958 – 1966 zusätzlich 2 x wöchentlich die Sendung „Musik bis zum frühen Morgen“ ausgestrahlt. Mit der Zeit war noch ein zweiter identischer 75 Meter hoher Mast in Etzhorn hinzugekommen.
Am 31.07.1974 stellte der auf der Frequenz 971 kHz sendende Mittelwellensender Oldenburg-Etzhorn seinen Betrieb ein, die Funktion übernahm der Sender Hamburg-Moorfleet. Die Masten mussten aber weiterhin gewartet und wegen der Flugsicherheit beleuchtet werden. Am Vormittag des 22.09.1976 kippten die beiden 104 m und 75 m hohen Masten auf das bebauungsfreie Gelände und verschwanden aus dem Ortsbild von Etzhorn. In der Folgezeit wurde das Sendegelände an den Sportverein Eintracht Oldenburg verkauft, der das Sendegebäude als Vereinsheim nutzt und dort Sportanlagen anlegte.
Seit Januar 2015 strahlt der NDR übrigens keine Programme mehr über Frequenzen der Mittelwelle aus.


3. Einst höchster Fernsehturm Deutschlands heute nur noch Geschichte


Ehemaliger Fernsehmast Steinkimmen

Als der rot-weiß gestreifte Funkturm in Steinkimmen am 06.08.1956 in Betrieb genommen wurde, war er mit seiner damaligen Höhe von 298 Metern, nicht

nur das höchste Bauwerk Deutschlands, sondern wurde in Europa nur noch vom zwei Meter höheren Eiffelturm in Paris übertragt.


Noch im Jahre 1965 wurde der „Funkturm bei Steinkimmen in Oldenburg“ in Schulbüchern mit 298 m als höchstes Bauwerk Deutschlands ausgewiesen.


Dahinter folgten damals die Fernsehtürme

in Dortmund (217 m) und Stuttgart (211 m), das Ulmer Münster (161 m) und der Kölner Dom (158 m). Obwohl der zwei Meter dicke und bis in 265 Meter Höhe begehbare Stahlrohrmast später noch auf 305 Meter anwuchs, hat er die Position als höchstes deutsches Bauwerk bereits lange verloren.



Im Jahre 2016 waren aber auch seine letzten Tage angebrochen, denn bereits im Januar 2013 wurde bekannt, dass der Funkmast durch einen neuen 285 Meter hohen Gittermast ersetzt wird. Der alte Funkmast mit einen Stahlgewicht von 260 Tonnen hatte einen Durchmesser von zwei Metern und verfügte über zwölf Abspannseile, außerdem war er mit einen Fahrstuhl für 2 Personen ausgestattet, der in 8 Minuten bis 260 m in die Höhe fährt.


Bevor die 305 Meter hohe Stahlröhre in der Gemeinde Ganderkesee abgebaut werden konnten errichtete der Norddeutsche Rundfunk gleich nebenan einen neuen Sendemast, der mit 285 Metern nicht mehr ganz so hoch ist wie der alte. Da sich der Mast in der "Windzone 3" befindet, konnte der Turm nicht mehr für die neuen Entwicklungen nachgerüstet werden, erklärte der NDR Produktionsdirektor Rombach den erforderlichen Neubau, während des am 20.10.2015 stattgefundenen symbolische Spatenstichs. Die vier Fundamente sollten noch im Jahr 2015 fertiggestellt werden. Zum Start von DVB-T2 im Mai 2017 ging der Gittermast, der eine Kantenlänge von 2,10 Metern hat in Betrieb. Er verfügt zwar auch über 12 Abspannseile, einen Fahrstuhl gibt es aber nicht. 3.000 Stahlbauteile mussten mit 20.000 Schrauben zusammengefügt werden, bevor der 180 t schwere Gittermast fertiggestellt war. Am 29.07.2016 wurde Richtfest am neuen Turm gefeiert, so dass es in Steinkimmen vorüber-gehend zwei Funktürme gab. Nach Fertigstellung des neuen Turmes übernahm dieser nach und nach den Betrieb. Nachdem die letzten Antennen vom alten Mast abmontiert worden waren, begann am 09.05.2017 der Rückbau des alten Mastes, der 60 Jahren die Landschaft von Steinkimmen prägte. Nach Abschluss des Rückbaus im November 2017 blieb von dem Mast nur ein 6 Meter hoher Stummel übrig, der als Denkmal an den alten Fernsehmast erinnern soll.


4. Alte Ansichten - über 150 Jahre Ansichtskarten


Die Erfindung der Ansichtskarte feierte im Jahre 2020 ihrem 150. Geburtstag, aus diesem Anlass präsentierte vom 06.12.2020 bis zum 31.01.2021 das Stadtmuseum Oldenburg die Ausstellung „Von Oldenburg in die Welt – 150 Jahre Ansichtskarte“.


Oben: Theater in Oldenburg, Unten Blick aufs Augusteum

In Oldenburg (Oldb) wurde einst die Ansichtskarte erfunden, schon am 16. Juli 1870 bedruckte der Hofbuch-händler August Schwartz (*29.05.1837 Dortmund verstorben am 23.05.1904 in Oldenburg) eine Korrespondenz-karte mit dem Bild eines Kanoniers und schickte sie zu seinen Schwieger-eltern nach Magdeburg. Diese Karte wird allgemein als erste Ansichtskarte angesehen, so dass Schwartz als Erfinder der bedruckten Bildpostkarte gilt. Die meisten Ansichtskarten aus den 20er bzw. 30er Jahren, die mein Vater gesammelt hat, waren schwarzweiß. Als Kind fanden bei mir allerdings die wenigen farbigen Postkarten, mein Interesse, da sie sich von den heutigen Karten sehr unterschieden. Meist waren es Ansichtskarten aus der Bergwelt. Aber auch einige farbige Karten aus dem alten Oldenburg wie dem Theater oder Augusteum am Damm waren dabei.


5. Wochenblatt „Der Oldenburger Residenz-Bote“

Titelblatt des Residenzboten


Mein Opa Karl Peper erzählte mir mal von der Zeitung „Oldenburger Residenz-Bote“. Dabei handelte es sich um eine linksliberale satirische Zeitung, die ab 28.11.1902 jeden Sonnabend erschien und seinerzeit eine schärfere Note in die Zeitungslandschaft des Großherzogtums Oldenburg brachte. Mit seinen bissigen Kommentaren und Karikaturen politisierte das im Verlag des Nordwestdeutschen Literatur-Bureaus an der Ofener Straße 5 von Hans Biermann herausgebende Blatt die öffentliche Meinung. So wurden zum Beispiel 1902 und 1903 Karikaturen zur Landtagsdiskussionen über die Einführung eines neuen Wahlrechts oder am 17.08.1907 über das vom Delmenhorster OB Erich Koch veranlasste Vorgehen der Polizei gegen italienische Streikbrecher im Delmenhorster Bauarbeiterstreik veröffentlicht. Aufsehen in ganz Deutschland gab es für den Residenzboten, als der Chefredakteur Hans Biermann den Leitenden Minister im Großherzogtum Oldenburg Franz Friedrich Ruhstrat in den Jahren von 1902 bis 1905 bezichtigte an einer Spielaffäre beteiligt gewesen zu sein. Bei den Glücksspielen soll auch ein Mitspieler Selbstmord begangen haben. In den vom Minister gegen seine Gegner geführten Beleidigungsklagen wurde auch Biermann zu einer empfindlichen Strafe verurteilt. Diese Urteile der Oldenburger Gerichte wurden seinerzeit in der überregionalen Presse als „Justizskandal“ bezeichnet. Da Biermann eine Bewährungsstrafe erhielt musste er später wegen eines anderen Artikels für einige Zeit ins Gefängnis. Das Blatt erschien zwar weiter, geriet aber in dieser Zeit in die roten Zahlen, so dass Biermann durch Verkauf seines Hauses die Zeitung rettete. Die Haft hatte aber auch zur Folge, dass der Residenzbote seine scharfe Note verlor und sie leider auch so nach 1918 nicht wieder fand. Aus dem vorher „Kritisch-satyrisches, politisches und unterhaltendes Wochen-blatt mit Illustrationen“ wurde ein „Vollkommen unabhängiges politisches Wochenblatt mit volkstümlichem illustrierten Unterhaltungs-teil“. Trotzdem wurde der lange Zeit bei Dannemann & Thoms gedruckte Oldenburger Residenzbote im Jahre 1934 von den Nazis verboten. Nach 1945 erfolgte ein Neustart durch Herrn Alfred Wenzel, der mit Biermann gut bekannt war und unter dem alten Namen die Zeitschrift neu auflegte. Sein Stiefsohn Hans Bartz erinnert sich noch heute an die Zeit als er als Schüler das Heft von Haus zu Haus verkaufte. Leider kam es später von Seiten Biermanns zu Differenzen, so das Wenzel den Namen der Zeitung in "Oldenburger Bundesbote" ändern musste, was schließlich zum Ende des kritischen Blattes führte. Laut einem Artikel in dem Buch „Oldenburger Stadtgeschichte“ existierte der Residenzbote im Juli 1950 aber noch unter den alten Namen, denn damals soll in einem Artikel der Zeitschrift das Wohnungsamt der Stadt Oldenburg als "Haus der tausend Seufzer" bezeichnet worden sein. Leider sind die Informationen die man über den Residenzboten heute findet sehr spärlich. Im NDR-Fernsehen wurde vor Jahren mal in einer Dokumentation über Biermann und seine Zeitung berichtet.


6. Verwaltungsreform im Freistaat Oldenburg 1933


Der Landesteil Oldenburg des Freistaates Oldenburg bestand bis 1932 aus den Städten Oldenburg, Rüstringen, Delmenhorst, Varel und Jever, sowie den Ämtern Brake, Butjadingen (Nordenham), Cloppenburg, Delmenhorst, Elsfleth, Friesoythe, Jever, Oldenburg, Varel,  Vechta, Westerstede und Wildeshausen.


Friestaat Oldenburg Ämterenteilung bis 1932

Landesteil Oldenburg des Freistaates Oldenburg bis 1932


Nach der Verwaltungsreform 1933 gab es dann nur noch die Stadtkreise Oldenburg, Rüstringen (1937 vereinigt mit dem vormals preuss. Wilhelmshaven zum oldenb. Stadtkreis Wilhelmshaven), Delmenhorst und die Ämter (ab 1939 Kreise) Ammerland (Westerstede), Cloppenburg, Friesland (Jever), Oldenburg, Vechta und Wesermarsch (Brake).
Wesentliche Veränderungen auf Kreisebene gab es erst wieder durch die nieder-sächsische Gebietsreform 1974 – 1978. Durch die am 1. August 1977 in Kraft getretene Kreisreform wurde der Landkreis Friesland aufgelöst und der südliche Teil mit Varel kam zum Landkreis Ammerland. Der nördliche Teil wurde mit dem Kreis Wittmund zu einem neuen Kreis Friesland vereinigt, Kreissitz wurde Wittmund. 

Nach Verfassungsklagen wurde der alte Kreis Friesland aber am 01.01.1980 wieder hergestellt und Jever wurde wieder Kreissitz. Der Landkreis Oldenburg verlor in den siebziger Jahren die Gemeinde Stuhr an den Kreis Diepholz, dafür wurde aber die Samtgemeinde Harpstedt dem Landkreis Oldenburg eingegliedert. Im Jahre 1988 wurde der Kreissitz des Landkreises von Oldenburg nach Wildeshausen verlegt.
Der Landkreis Wesermarsch verlor bereits 1974 die westlich der Weser liegende Gemeinde Landwürden an den Kreis Cuxhaven. Dem Landkreis Vechta wurde die ehemalige bersen-brücker Gemeinde Vörden zugeschlagen, die mit der Gemeinde Neuenkirchen vereinigt wurde.


7. Abschied vom Land Oldenburg


Am 01.11.2016 feierte das Land Niedersachsen sein 70 jähriges Bestehen, damit verbunden war aber auch der Verlust, der bis dahin bestehenden Selbstständigkeit des Landes Oldenburg. In einer Ausschusssitzung am 06.09.1946 hatte sich der Ministerpräsident von Hannover Hinrich Wilhelm Kopf mit seinen Vorschlag, drei Länder in der Britischen Besatzungszone zu schaffen durchgesetzt. In Oldenburg und Braunschweig hatte man dagegen die Bildung von fünf Ländern, nämlich Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Braunschweig und Weser-Ems, favorisiert. Die Verordnung Nr. 22 der britischen Militärregierung über die Bildung des Landes Niedersachsen trat rückwirkend zum 01.11.1946 in Kraft. Am 14.11.1946 wurden die Landtage aufgelöst und am 23.11.1946 H.W. Kopf zum Ministerpräsidenten von Niedersachsen ernannt. In seiner letzten Sitzung am 06.11.1946 bedauerte der Oldenburger Landtag den Verlust der Selbstständigkeit und die Missachtung des Selbstbestimmungsrechts der Bevölkerung. Und sprach den Wunsch aus: „Dass das kleine Oldenburg nicht ohne weiteres von dem großen Niedersachsen einfach annektiert und absorbiert werde, dass die Einheit des Landes und soweit möglich, die bewährte oldenburgische Verwaltung erhalten und unter allen Umständen eine Selbstverwaltungsorganisation für das Gebiet des Oldenburger Landes bestehen bleibe oder geschaffen werde.


Aus dem Land Oldenburg wurde im November 1946 der niedersächsische Verwaltungsbezirk Oldenburg. Da sich im  April 1956 in einen Volksbegehren 13% für eine Wiederherstellung des Landes Oldenburg aussprachen, fand 19 Jahre der immer wieder hinaus geschobener Volksentscheid statt. Im Jahre 1975 sprachen sich dabei 81,2 % der Teilnehmer für ein selbständiges Oldenburg aus, aber obwohl somit mit 31% aller Wahlberechtigten die erforderliche Wahlbeteiligung von 25 % erreicht wurde, entschied der Deutsche Bundestag im Dezember 1975 das der Verwaltungsbezirk Oldenburg beim Land Niedersachsen bleibt.
Diesen Niedersächsischen Verwaltungsbezirk Oldenburg gab es nur noch bis 1977, von 1978 bis 2003 war Oldenburg immerhin noch Sitz der Bezirksregierung Weser-Ems, die allerdings 2004 aufgelöst wurde. Heute kümmert sich nur noch die Oldenburgische Landschaft um die Wahrung des kulturellen Erbes. Die politischen Geschicke des Landes werden jedoch einzig und allein in Hannover entschieden.
Aus Anlass des 100. Jahrestag der Eröffnung des Landtagsgebäudes am Dobben fand am 10.11.2016 immerhin erstmals eine Kabinetts- und Landtagssitzung im Alten Landtag statt, damit erwies die niedersächsische Landesregierung dem früheren Land Oldenburg eine besondere Ehre. Das Landtagsgebäude wurde nach langer Planung in den Jahren 1914 bis 1916 nach Plänen von Paul Bonatz und Friedrich Eugen Scholer erbaut und am 09.11.1916 eingeweiht. Nur bis 1933 tagte dort der Landtag, bis er dann von den Nationalsozialisten aufgelöst wurde. Der 1946 von den Briten ernannte Landtag tagte bis November 1946 in der Handwerkskammer.



Ein rotes skandinavisches Kreuz auf blauen Grund (links oben) so sah die von 1774 bis 1919 verwendete oldenburgische Landesfahne aus, rechts daneben ist die von 1871 bis 1918 verwendete Landesdienstflagge mit der herzoglichen Standarte zu sehen, rechts darunter die Seedienstflagge des Großherzogtums Oldenburg. Die Flagge links in der Mitte wurde von 1774 bis 1871 als Staats-flagge verwendet, das Kreuz befindet sich hier direkt in der Mitte, diese Fahne war dann von 1919 bis 1935 Landesfahne des Freistaates Oldenburg und wurde seit 1952 neben der Landesflagge von Niedersachsen vor lokalen und regionalen Behörden in Bereich des Nds. Verwaltungsbezirkes Oldenburg gehisst, heute sieht man sie an öffentlichen Gebäuden aber nicht mehr. Wahlweise wurde und wird aber auch die Fahne links unten mit den Oldenburger Landesfarben rot und blau bei regionalen Veranstaltungen verwendet.


8. Wappen des Landes Niedersachsen und der Vorgängerländer


Das Land Niedersachsen entstand am 01.11.1946 durch den von der britischen Militärregierung verfügten Zusammenschluss der Länder Braunschweig, Oldenburg, Schaumburg-Lippe und dem am 23.08.1946 aus der ehem. preuss. Provinz Hannover hervorgegangenen Land Hannover. Hauptstadt ist Hannover.Am 30.06.1991 kam das östlich der Elbe in der ehemaligen DDR liegende Amt Neuhaus hinzu. Das Landeswappen lehnt sich an den ehemaligen Wappen von Hannover und Braunschweig (dem Westfalen-, Welfen- oder Sachsenross) an. Da es mithin bei der Gründung des Landes Niedersachsen 1946 bereits vier Fünftel der niedersächsischen Bevölkerung repräsentierte, wurde es (zunächst inoffiziell) zum Landeswappen des neuen Bundeslandes, das der Landtag nach auführlicher Diskussion am 3. April 1951 bestätigte. 


Das Landeswappen wurde im Artikel 2 der Vorläufigen Niedersächsischen Verfassung vom 13. April 1951 verankert und in der am 1. Juni 1993 in Kraft getretenen Niedersächsischen Verfassung wiederum in Artikel 1 bestätigt. Die Symbole der ehemaligen Länder Oldenburg und Schaumburg-Lippe blieben unberücksichtigt.


Hannover: Bereits im Mittelalter herrschte unter der niedersächischen Bevölkerung die Ansicht, es handele sich dabei um das Wappen des alten Stammesherzogtums Sachsen, obwohl dieses noch kein Wappen gekannt hatte. Gleichwohl wurde diese Überzeugung von der bis in vorgeschichtliche Zeit zurückreichenden Wertschätzung des Pferdes bei den Sachsen gestützt. Im Jahre 1361 nahmen daher die welfischen Herzöge, um damit den Anspruch auf die Vormachtstellung ihres Hauses im Gebiet des alten Sachsen zu unterstreichen, das Sachsenross als heraldisches Sinnbild an. Es galt als das sagenumwobene Wappen des berühmten Herzogs Widukind und erschien zunächst in der Helmzier ihrer Wappen. Im 17. Jahrhundert fand es Eingang in das inzwischen auf zwölf Felder angewachsene braunschweig-lüneburgische Wappen. In der Folgezeit diente das Sachsenross als Wappenbild sowohl des Kurfürstentums als auch des Königreichs und der Provinz Hannover, aber auch des Herzogtums und des Freistaates Braunschweig. Im Deutschen Krieg von 1866 kämpfte das Königreich Hannover an der Seite Österreichs und musste nach der Niederlage seiner Truppen bei (Bad) Langensalza kapitulieren. Preußen annektierte das Land und der letzte Welfen-König Georg V. ging ins Exil nach Wien. Die Provinz Hannover bestand aus dem 1866 mit Preußen  vereinigten vormaligem Königreich Hannover und dem durch Staatsvertrag vom 20. Juli 1853 erworbenen, 1864 und 1873 erweiterten und seit 23.März 1873 dem Landdrosteibezirk Aurich einverleibten Jadegebiet.


Das Wappen des Freistaates Braunschweig führte das Welfen Sachsenross, das die im Wappen des alten Herzogstums vorhandenen Löwen ablöste. Die Linie der Welfen vom Haus Braunschweig verwendete seit 1267 zwei schreitende goldene Löwen auf rotem Grund. Die Linie der Welfen vom Haus Lüneburg verwendete jedoch seit 1267 einen blauen Löwen auf goldenem mit acht roten Herzen belegtem Grund. Das berühmte an den Stamm der Sachsen erinnernde Sachsenross wurde erst ab 1361 von den Welfen verwendet und im Freistaat alleiniges Wappensymbol. Im Mai 1945 wurde das Land Braunschweig Teil der britischen Besatzungszone mit Ausnahme des östlichen Teils des Kreises Blankenburg und Calvörde, die der sowjetischen Zone zugeordnet und Teil Sachsen-Anhalts wurden.


Der Freistaat Oldenburg umfasste das Stammland, welches von der Nordsee und der freien Hansestadt Bremen und ansonsten von der Provinz Hannover begrenzt wurde. Dazu gehörte innerhalb der Provinz Schleswig – Holstein der Landesteil Lübeck mit der Stadt Eutin und in der Rheinprovinz der Landesteil Birkenfeld mit den Städten Birkenfeld, Idar und Oberstein. 1937 wurden die Landesteile Lübeck und Birkenfeld dem Land Preußen eingegliedert.
Die preußische Stadt Wilhelmshaven kam zu Oldenburg und wurde mit der oldenburgischen Stadt Rüstringen vereinigt. Mitte Mai 1945 wurde Theodor Tantzen von der britischen Militärregierung als letzter oldenburgischer Ministerpräsident eingesetzt und war bis zum 31.10.1946 im Amt. Obwohl sich 1975 bei einer Volksabstimmung die erforderliche Mehrheit für die Wiederherstellung des Landes Oldenburgs aussprachen, blieb Oldenburg beim Land Niedersachsen. Das Wappen von 1919 zeigt nur noch die Heraldik von Oldenburg und Delmenhorst. Man eilte hier der Zeit tatsächlich voraus, denn 1937 musste Oldenburg tatsächlich die Gebiete Birkenfeld und Lübeck abtreten. Das bis 1919 gültige Wappen des Großherzogtums Oldenburg war halbgespalten, kombiniert mit einer Art umgekehrtem Deichselschnitt, wodurch fünf Felder entstanden. Feld 1 (gold-rot gestreift) steht für die Grafschaft Oldenburg, Feld 2 (goldenes Kreuz auf Blau) für die Herrschaft Delmenhorst, Feld 3 (goldenes Kreuz auf Blau mit Krone darüber) für das Fürstentum Lübeck, Feld 4 (gold-rot geschacht) für das Fürstentum Birkenfeld, und das Feld 5 (goldener Löwe auf Blau) in der Spitze des Wappens steht für die Herrschaft Jever.


Daten über den Freistaat Oldenburg 
www.gonschior.de/weimar/Oldenburg/


Schaumburg-Lippe. Bereits in den Jahren 1926 und 1930 sollte das Land Preußen einverleibt werden, dies wurde jedoch in zwei Abstimmungen abgelehnt. Hauptstadt war die Stadt Bückeburg). Die Landesfarben von Schaumburg-Lippe sind wahrscheinlich vom Wappen der Reichsfürsten zu Schaumburg-Lippe abgeleitet. Dieses zeigt eine rote Rose auf weißem (silbernem) Grund, der wiederum durch eine Zickzackline von rotem Untergrund getrennt ist (Nesselblatt).
Mehr über die Wappen der früheren deutschen Staaten findet man unter:
den  Link zu den deutschen Landeswappen.



9. Deutsche Städte die ihren Namen verloren


Wer weiß eigentlich heute noch, wo die Städte Barmen, Elberfeld, Lahn, Rüstringen oder Wesermünde gelegen haben. Die Namen Barmen und Elberfeld findet man heute noch als Stadtteile wieder. 1929 wurden beide Städte mit einigen Nachbargemeinden zunächst zur Stadt Barmen-Elberfeld zusammengeschlossen, die 1930 in Wuppertal umbenannt wurde. Die Stadt Lahn existierte nur vom 01.01.1977 bis 31.07.1979 in Hessen, sie wurde aus den Städten Gießen, Wetzlar und 14 Gemeinden gebildet. Am 01.08.1979 wurde sie wieder in die Städte Gießen, Wetzlar und 3 Gemeinden aufgeteilt.


Stadt Rüstringen

Die Stadt Rüstringen war einst eine der größten Städte im Freistaat Oldenburg. Nachdem Oldenburg 1853 am Jadebusen Gebiete an Preußen abgetreten hatte, entstand dort der 1869 eingeweihte Kriegshafen Wilhelmshaven (Stadtrecht 1873, kreisfrei 1919). Auf oldenburgischer Seite blühten die Nachbarorte Bant, Heppens und Neuende auf. 1902 wurde aus diesen Orten das Amt Rüstringen gebildet, aus dem am 01.05.1911 die Stadt Rüstringen hervorging. Das Wappen vom 3. Juli 1911 zeigte in Gold einen Friesen in rotem Rock und blauer Hose, mit roter (oder auch blauer) Mütze und roten Schuhen, Blankschwert, Friesenspeer und ovalem Schild. Dieser war gespalten und hatte vorn das Jeversche und hinten das quadrierte oldenburgische Wappen. Die Stadtfarben waren rot-gelb. 1928-29 errichtete F. Höger, Erbauer des Hamburger Chilehauses das neue Rathaus der Stadt. Als sie am 31.03.1937 mit der benachbarten kleineren Stadt Wilhelmshaven vereinigt wurde, verlor sie ihren Namen. Nur im Stadtwappen von Wilhelmshaven erinnert der Rüstringer Friese heute an den alten Städtenamen. Allerdings galt 1937 zunächst das alte Wilhelmshavener Stadtwappen, es zeigte in blau einen goldenen Anker mit zwei gekreuzten, gestürzten, goldenen Schwertern, belegt mit silbenern Herzschild darin der preußische Adler mit Insignien. Auf dem Schilde eine Dreitürmige Mauerkrone. Die Stadtfarben waren schwarz-weiß-blau. 1939 wurde es durch ein neues bis zum 15.01.1946 gültige Wappen ersetzt. Dieses von Blau und Silber gespalten, hatte im Vordergrund ein silbernes Schwert und im Hintergrund vier blaue Wellenbalken. Die Stadtfarben waren blau-weiß. Nach einer wappenlosen Zeit übernahm man nach langer Suche jedoch das alte Wappen mit dem Rüstringer Friesen, der jedoch nicht wieder mit dem historischen Bauernhut bedeckt war und auch ein anderes Schildsymbol zeigt. Am 18. November 1948 genehmigte der niedersächsische Minister des Innern, das neue Wappen.


Stadt Wesermünde

Die 1924 aus Geestemünde und Lehe entstandene Stadt Wesermünde hatte zunächst mehr Glück, nachdem die von ihr umschlossene Stadt Bremerhaven - 1827 von der Stadt Bremen als Außenhafen gegründet - 1939 eingegliedert wurde, behielt sie ihren Namen. Erst nachdem die Stadt Wesermünde 1947 zum Land Bremen kam, erfolgte die Umbenennung in Bremerhaven. Das heutige Wappen zeigt aber nach wie vor die Symbole ihrer Vorgänger, wobei der Anker Geestemünde, die Schwerter Lehe symbolisieren, der Fisch tauchte erstmals in Wappen von Wesermünde auf. Der Name Wesermünde bestand allerdings im Namen des niedersächsischen Landkreises fort, bis er 1977 in den Kreis Cuxhaven aufging. Dagegen gibt es in Niedersachsen auch heute noch den Landkreis Harburg, obwohl die gleichnamige Stadt bereits 1937 Teil der Stadt Hamburg wurde, der Name lebt dort aber als Bezirksname fort.


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